St. Peter –
eine Gründung der Herzöge von Zähringen

Willkommen in der Zähringergemeinde St. Peter. Die Tradition der Zähringer ist in der Schwarzwaldgemeinde ebenso lebendig wie im Hause Baden, das sich von den Zähringern herleitet. Die Markgrafen von Baden führen bis heute den Titel „Herzog von Zähringen“. Eine gemeinsame Geschichte verbindet St. Peter mit den Zähringerstädten in Baden-Württemberg und in der Schweiz.

Die Herzöge von Zähringen

Die Gemeinde St. Peter unterhält außerdem Verbindung zu den Gemeinden Herzogenbuchsee und Seeberg in der Schweiz. Diese Orte waren einst von Agnes von Rheinfelden und ihrem Gatten, Herzog Bertold II. von Zähringen, dem Benediktinerkloster St. Peter übertragen worden. Von 1109 bis zur Reformation 1527 bestellte deshalb das Kloster St. Peter die Geist­lichen in der dortigen Propstei.

Die Herzöge von Zähringen spielten im Südschwarzwald und in der westlichen Schweiz eine vergleichbare Rolle wie die Hohenstaufen in Schwaben. Sie waren neben Staufern und Welfen die mächtigste Adels­dy­nas­­tie des Hochmittelalters. Bertold V. wurde 1198 als deutscher König vorgeschlagen. Er verzichtete jedoch auf die Königswürde.

Bertold II. und seine Gattin Agnes von Rheinfelden. Gemälde frühes 18. Jh.
Bertold II. und seine Gattin Agnes von Rheinfelden. Gemälde frühes 18. Jh.

Die Zähringer

Die Zähringer errichteten im Raum zwischen dem mittlerem Schwarzwald und dem Genfer See eine zu­kunftsweisende Herrschaft. Sie erschlossen den un­be­siedelten Schwarzwald und waren Schutzherren zahl­reicher Klöster wie St. Georgen und St. Blasien. Mit der Abtei St. Peter gründeten sie 1093 ihr eigenes Hauskloster. Sie traten darüber hinaus als Städtegründer hervor: Neben Freiburg im Breisgau und Villingen be­rufen sich Bern, Freiburg im Üchtland/Fribourg und viele andere Städte auf die Zähringer.

Presse

Ingrid Hepperle

Die Zähringer- Dynastie

Ein Verein in St. Peter arbeitet die Geschichte des Herzogsgeschlechts in St. Peter aktiv auf.

In: Schwarzwälder Hausschatz, Verlag Schwarzwälder Bote, 2015, S. 191 - 192.

 

Neues zur Zähringergeschichte

Besucher von St. Peter stehen häufig auf dem Klosterhof oder an den Parkplätzen  und betrachten die Zähringer-Stelen mit den Angaben zur Stammtafel der Zähringer.  In der ehemaligen Klosterkirche erscheinen die Zähringer dem Eintretenden als leibhaftige Figuren an den tragenden Säulen, die sonst die Apostel als die Stützen der Christenheit einnehmen. Wer also waren die Zähringer, die noch heute vor allem als Stadt- und Klostergründer im kollektiven Gedächtnis präsent sind?

Die Abteilung Landesgeschichte der Universität Freiburg veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Alemannischen Institut Freiburg e.V. und dem Verein Zähringer Zentrum e.V. St. Peter im Fürstensaal des Geistlichen Zentrums eine dreitägiges Symposion (15.-17. September 2016), das nach der Freiburger Zähringerausstellung des Jahres 1986 erstmals wieder in größerem Rahmen neue Ergebnisse und Methoden der Forschung zu dieser auch überregional bedeutenden Herrscherfamilie und ihrer Zeit präsentierte. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sowie eine große Zahl von Geschichtsinteressierten aus nah und fern suchten Rang und Herrschaft der Herzogsdynastie der Zähringer um 1200 mit unterschiedlichen methodischen Zugängen zu beleuchten und neue Perspektiven auf die Zähringergeschichte zu eröffnen. Dabei ergaben sich in den vier ausgewählten Themenschwerpunkten („I. Zähringer-Geschichten“, „II. ,Herrschaft‘ zwischen personalen Bindungen und Raum (um 1200)“, „III. Der Rang der Zähringen um 1200 im reichsfürstlichen Kontext“, „IV. Das Jahr 1218 – Aushandlungsprozesse und Akteure“) sowie einem öffentlichen Abendvortrag und einer eindrucksvollen Führung durch Kirche und Kloster zahlreiche neue Erkenntnisse, die nicht nur der Zähringerforschung, sondern möglicherweise auch der Präsenz der Zähringer im allgemeinen Geschichtsbewusstsein im „Zähringerland“ und dem Ziel eines „Hauses der Zähringer“ in St. Peter neue Impulse vermitteln werden.

Dass die Zähringerherzöge mit Bertold V. 1218 sozusagen ,rechtzeitig‘ ausstarben, als die Entwicklung eigenständiger kommunaler Strukturen gerade ihrer Aufschwung nahm, hat das Bild der Zähringer als Stadtgründer und Stadtherren in der Nachwelt entscheidend beeinflusst. So konnten die „guten Zähringer“ im heutigen Schweizer Raum gegenüber den „bösen Habsburgern“ oder aber in Freiburg die großzügigen Stadtgründer im Unterschied zu den zunehmend als Belastung empfundenen Grafen von Freiburg als positive Herrschergestalten  wahrgenommen werden. Gerade die Bürger der von den Zähringern gegründeten und mit vielen Freiheiten ausgestatteten Städte wie Freiburg im Breisgau, Bern, Freiburg im Üchtland u. a. sahen ähnlich wie auch etwa die Mönche im zähringischen Hauskloster St. Peter in den Zähringern ihre besonderen Gönner und Schutzpatrone gegenüber aktuellen Herren und deren (An-)Forderungen. Man berief sich auf die älteren, von den Zähringern zugestandenen Rechte.  Doch nicht nur auf Seiten der ,Beherrschten‘, sondern auch unter den fürstlichen ,Nachfolgern‘ beriefen sich sowohl das Haus Baden als auch die Habsburger auf ihre Verwandtschaft mit den Zähringern zur Legitimation ihrer jeweiligen Herrschaftsansprüche. Die Zähringerherzöge selbst erwiesen sich in ihrer Zeit sowohl im europäischem Rahmen als auch innerhalb des Reichs – entgegen der tendenziösen Abwertung als „Herzöge ohne Herzogtum“ – unzweifelhaft als zur führenden, fürstlichen Spitzengruppe zugehörig. Sie stützten sich nicht nur auf ein weiter ausgreifendes Netzwerk personaler Beziehungen, sondern auch auf neue Methoden der Erfassung des Raumes in Einflussbereich ihrer fürstlichen Herrschaft(im Breisgau und Oberrheingebiet, im Schwarzwald, auf der Baar und insbesondere auch in Burgund). Wesentliche Elemente ihrer Herrschaft waren insbesondere die frühe Gründung und Privilegierung von Städten, die Stellvertretung des Königs in Burgund, aber auch etwa der Aufbau einer umfänglichen Gefolgschaft und Ministerialität sowie nicht zuletzt eine planvolle Heiratspolitik, die über den regionalen Rahmen hinausweist. Die oft aus Frankreich stammenden Frauen der Zähringer leisteten als gebildete Fürstinnen  nicht nur den notwendigen Kulturaustausch innerhalb Europas, sondern förderten wie Clementia von Zähringer als Mäzenatinnen die Entwicklung der mittelhochdeutschen Literatur und Kunst an entscheidender Stelle zwischen Burgund, dem Elsass, Lüttich, Boulogne und dem Zähringerland.  Vor allem die Herzog Bertold V. angetragene, von ihm aber letztlich abgelehnte Königswürde, seine fürstliche Hofhaltung und seine hochambitionierte Bautätigkeit (namentlich das Münster in Freiburg, die Residenz in Burgdorf, der Donjon in Thun) bezeugen seine königsgleiche Rangstellung im Reich und die Bedeutung seiner Familie.  Letztere reicht weit über das Jahr 1218 und die  Aushandlungsprozesse um das Zähringererbe hinaus, wie das letzte Themenfeld dieser Tagung zeigte, die für die künftige Zähringerforschung eine neue Grundlage geschaffen hat.

 

 

"Die Zähringer" Rang und Herrschaft um 1200

Buch zur wissenschaftlichen Tagung 2016 in St. Peter

Veröffentlichung des Alemannischen Instituts, Nr. 85 Thorbecke-Verlag, Ostfildern,

ISBN: 978-3-7995-1296-1

Das Buch hat 544 Seiten und enthält zahlreiche, großteils farbige Abbildungen.

Es ist versandkostenfrei (mit Rechnung) beim Alemannischen Institut Freiburg e. V., Bertoldstr. 45, 79098 Freiburg,

Tel. 0761/150-675-70, Enable JavaScript to view protected content. zu erhalten. Durch die dortige Bestellung wird die Bildungsarbeit des Instituts unterstützt.

 

Das vorliegende Buch führt zum Gedenkjahr 2018, 800 Jahre nach dem Tod des letzten Zähringers, alle wesentlichen Aspekte der Zähringerherrschaft auf dem aktuellen Forschungsstand zusammen. Der Sammelband dokumentiert eine große wissenschaftliche Tagung zum Stand der Zähringerforschung, die im September 2016 in St. Peter im Schwarzwald, im Hauskloster der Zähringer, stattfand. Die historische Forschung konnte in den letzten Jahrzehnten zahlreiche neue Erkenntnisse zu diesem nur scheinbar vielbehandelten Thema ans Licht bringen. So trafen sich in St. Peter renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um sich über ihre Ergebnisse auszutauschen und auf der Basis jahrzehntelanger Forschungen ein Resümee zu ziehen.

Die Beiträge zeigen zahlreiche neue Perspektiven auf: Die Stellung der Zähringer im europäischen Rahmen, ihre Herrschaftsrepräsentation in heute noch sichtbaren, beeindruckenden Formen wie dem ersten Bau des Freiburger Münsters oder neue Erkenntnisse zur Geschichte des Böcklinkreuzes. Nicht zuletzt werfen sie am Zähringer Erbfall ganz grundlegende Fragen der Herrschaftsstruktur des Reiches um1218 auf.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ....................................................................................................................................... IX

Die Zähringer – Rang und Herrschaft um 1200

Einleitung

Jürgen Dendorfer und Heinz Krieg ............................................................................................ XI

I. Zähringer-Geschichten

Die Zähringer in der Historiographie des 12. und frühen 13. Jahrhunderts

Heinz Krieg ................................................................................................................................... 3

Komplementäre Konstruktionen

Die Zähringer in den Chroniken Konrad Justingers und Johannes Sattlers

Clemens Joos .............................................................................................................................. 21

„Gute“ Zähringer – „böse“ Habsburger

Die Zähringer im Schweizer Geschichtsbild

Claudius Sieber-Lehmann ........................................................................................................... 37

Von Badischer Hausgeschichte zur Neuen Deutschen Verfassungsgeschichte

Ansätze der Zähringerforschung vom 18. bis 20. Jahrhundert

Thomas Zotz ................................................................................................................................ 53

Die Zähringer museumsreif?

Von der Zähringerausstellung 1986 zum ‚Haus der Zähringer‘

Casimir Bumiller ......................................................................................................................... 67

II. Herrschaft zwischen personalen Bindungen und Raum (um 1200)

Die Zähringer und die Anderen

Beziehungen zum Adel im Breisgau

Tobie Walther .............................................................................................................................. 79

Personale Aspekte der Zähringerherrschaft

Petra Skoda ................................................................................................................................. 95

Die Zähringer

Phasen und Charakteristika der Formierung eines „Adelshauses“

Gerhard Lubich ......................................................................................................................... 113

‚Zähringerstädte‘

Ein städtebaulicher Mythos unter der Lupe der Archäologie

Armand Baeriswyl ..................................................................................................................... 125

Die Figur des Stadtgründers

Zähringer und Habsburger im Vergleich

Martina Stercken ....................................................................................................................... 141

Das Burgundische Rektorat – Anspruch und Wirklichkeit

Clemens Regenbogen ................................................................................................................ 157

III. Der Rang der Zähringer um 1200 im reichsfürstlichen Kontext

Locus nomen gloria

Zum Rang Bertolds V.

Jörg Peltzer ............................................................................................................................... 173

Außenseiterchancen

Die Königswahl von 1198, die Zähringer und das Netzwerk der Reichsfürsten

in staufischer Zeit

Robert Gramsch-Stehfest .......................................................................................................... 187

Die Gemahlinnen der Zähringer

Konnubium und Rang

Tobias Weller ............................................................................................................................. 213

Höfische Dichtung im Umkreis der Zähringer?

Clementia von Zähringen als Mäzenatin

Rudolf Denk .............................................................................................................................. 241

Siegel und Münzen der Zähringer

Michael Matzke ......................................................................................................................... 263

Donjons – Repräsentationsarchitektur der Zähringer?

Alfons Zettler ............................................................................................................................. 297

 

 

Das Münster Bertolds V. (1186 –1218)

Baugestalt und Anspruchsniveau im überregionalen Vergleich

Hans W. Hubert ......................................................................................................................... 315

Göttlicher Glanz und heiliger Ort

Das Böcklinkreuz im Freiburger Münster als zähringische Erinnerungsstiftung?

Katharina Christa Schüppel ..................................................................................................... 361

Das Böcklin-Kreuz im Freiburger Münster als Problemfall der

jüngeren Zähringer-Forschung

Sebastian Bock .......................................................................................................................... 389

IV. Das Jahr 1218 – Aushandlungsprozesse und Akteure

Erbrecht, Lehnrecht, Konsens der Fürsten

Der zähringische Erbfall und die Etablierung neuer normativer Ordnungen um 1200

Jürgen Dendorfer ...................................................................................................................... 403

Die Stadt Freiburg und das Jahr 1218

Mathias Kälble .......................................................................................................................... 425

Die zähringische Ministerialität und der Umbruch von 1218

Michael Kolinski ....................................................................................................................... 443

Die Grafen von Urach

Der lange Kampf um das zähringische Erbe

Eva-Maria Butz ......................................................................................................................... 461

Friedrich II. und das Reich im Jahr 1218

Königliches Handeln zwischen Planung, Erwartung und Zufällen

Knut Görich .............................................................................................................................. 473

Personen- und Ortsregister ........................................................................................................ 495

Autoren und Herausgeber ......................................................................................................... 513

© Alemannisches Institut und Jan Thorbecke Verlag